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Ein Bürgermeister nimmt die Bahnpendler als Geiseln


Leserpost

Zur Debatte um die S-Bahn-Verlängerung bis Falkensee

(im Original: Nur Nachteile: S-Bahn ist schlechteste Alternative)

Herrn Stephan Lofing aus Falkensee (MAZ vom 26.04.2006) ist zu danken für seine klaren Ausführungen. Wer immer noch für eine S-Bahn-Verlängerung ins Havelland eintritt, gehört mit einem "Ehreneintrag" ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Es ist scheinheilig, dass Falkensees Bürgermeister Jürgen Bigalke darauf setzt, dass nicht er sondern der Bund bezahlen müsste. Er hofft offenbar sehr auf einen „repräsentativen“ Umsteigebahnhof mit Glasdach, zahlreichen Bahnsteigen, Fahrstühlen und Tiefgaragen …

Dabei wäre es seine Aufgabe gewesen, in den letzten 16 Jahren selbst für ein attraktives Zentrum mit und rund um den Bahnhof Falkensee zu sorgen. Jetzt mit "Fremd"mitteln das Umsteigekreuz von Spandau oder gar Charlottenburg nach Falkensee verlegen zu wollen - obwohl dies von Pendlern rundweg abgelehnt wird-, zeugt nicht von einem modernen bürgerfreundlichen Politikansatz. Die Havelstadt Spandau erfüllt auch für weite Teile des Osthavellandes Funktionen eines Oberzentrums, die die Wohnstadt Falkensee selbst mittelfristig nicht übernehmen kann.

Und offenbar auch nicht will. Nur einmal angenommen, Falkensee wollte wirklich Endpunkt einer S-Bahn von Berlin und Endpunkt einer Regionalbahn von Nauen werden: warum wurde nicht längst in Parkhäuser und Schnellstraßen zum Bahnhof investiert? Wie sollen die Pendler aus Finkenkrug, Brieselang und Nauen zum S-Bahnanschluss in Falkense kommen, wenn sie nicht auf Zubringer und Anschlüsse angewiesen sein können oder wollen?

Die Zeit ist über alte S-Bahn-Planungen längst hinweggegangen. Wer sich öffentlich äußert, er fahre lieber etwas länger, wenn dafür häufiger ein Zug abfährt (Variation: Er begrüße eine S-Bahn-Verlängerung bis Finkenkrug, um direkt bis in seinen Garten zu fahren), ist nicht täglich auf den Zug ins Stadtzentrum angewiesen. Herr Lofing hat die Verhältnisse mit der leeren S-Bahn im 10-Minuten-Takt ab Spandau korrekt beschrieben. Voll sind dort nur die Züge der brandenburgischen RB / RE, obwohl bislang nur 5 Bahnen in einem unregelmäßigen Zeit-Takt verkehren. Ebenso in Straußberg, ebenso in Teltow. Warum soll das in Falkensee anders sein? Bis hier wird sich der Nachteil der langsamen S-Bahn auf rund 20 Minuten vergrößert haben (Spandau bis Charlottenburg „nur“ 9 Minuten)!

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass mit einem etwaigen Ende der RB 10 aus Nauen in Falkensee (Verkehrskonzept des Landes Brandenburg für 2009) die Pendler auf die verbleibende RE 4 setzen. Mit den Folgen wie 2001, bevor die damals neue RB 10 eingeführt wurde: Volle Züge mit dicht gedrängt stehenden Pendlern in den Gängen ...

Ein positiver Schritt ist die Einrichtung der neuen RB 14, die nach Wegfall der Halte der RE 4 in Brieselang und Finkenkrug dennoch Verbindungen ins Zentrum von Berlin ermöglicht. Dieser Zug, der ab 28. Mai einmal stündlich verkehrt, wird mit 25 Minuten Fahrtzeit von Brieselang bis Zoologischer Garten garantiert ein Bestseller.

Das Havelland bedürfte eines moderneren Nahverkehrs als es sich die SPD-Protagonisten aus Falkensee zu träumen wagen. Der leise und schnelle Transrapid hätte das Fernverkehrsmittel sein können, eine moderne Regionalbahn (oder SX-Bahn) im 20-Minuten-Takt für den Nahverkehr zuständig. Leider at sich die Vernunft nicht durchgesetzt.

Bürgermeister Bigalke nimmt die Bahnpendler aus Brieselang, Finkenkrug, Falkensee und Seegefeld zur Geisel seiner egoistischen S-Bahn-Politik. Das sollten die anderen Verantwortlichen im Havelland sowie im Bund und Land ihm nicht durchgehen lassen.

Ralf Kothe, Bahnpendler,

Gemeindevertreter (CDU), Brieselang

 

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