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Ungewöhnliche Fahrgemeinschaft


Aus der MAZ, 07.09.2007

In Brieselang chauffieren Lehrer vier Schüler in ihre Dörfer – es gibt keine direkte Buslinie

ANKE FIEBRANZ

BRIESELANG. Eine besondere Fahrgemeinschaft bilden derzeit Lehrer und vier Jugendliche der Oberschule Brieselang. Die Schüler, die in Wansdorf und Perwenitz zu Hause sind, werden morgens zu Hause von den Pädagogen abgeholt und nachmittags zurückgefahren. Allerdings ist über diese Fahrgemeinschaft keiner der Beteiligten so recht glücklich. Sie ist eher aus der Not geboren.

Der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule würde fast anderthalb Stunden dauern. "Wir müssten um 5.30 Uhr los und dann erst mit dem Bus nach Nauen und von dort mit dem Zug nach Brieselang", erzählt Christoph Kuczyk, einer der betroffenen Siebtklässler. Eine direkte Linie gibt es nicht. "Der Landkreis hat die Firma Havelbus nicht beauftragt", sagt Schulleiter Christof Kürschner. Nachdem das im Mai bekannt geworden war, habe man die Gemeinde als Schulträgerin eingeschaltet, so Kürschner. Ein Schriftwechsel zwischen Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) und Landrat Burkhard Schröder (SPD) folgte, aber das Problem konnte bis heute nicht geklärt werden.

Wilhelm Garn argumentierte, dass mehr als eine Stunde Schulweg für die acht Kilometer von Perwenitz nach Brieselang eine unzumutbare Belastung sei und bat den Landrat, sich "dafür einzusetzen, einen angemessenen und kurzen Schülertransport zu gewährleisten".

In der Antwort Schröders vom 23. August heißt es, dass der Landkreis als Träger des Schülerverkehrs verpflichtet sei, eine Schulbusverbindung zur nächstgelegenen Schule anzubieten. Das wären im Fall von Perwenitz und Wansdorf Oberschulen in Nauen und Falkensee. Der notwendige Transport der Schüler dorthin sei gewährleistet. Klar wurde gesagt, dass es dem Kreis nicht möglich sei, für jeden Einzelfall aufgrund individueller Elternwünsche zusätzliche Linien in Auftrag zu geben und zu finanzieren.

Mit den Worten "nächstgelegene Schule" hat Oberschulrektor Kürschner Probleme: Perwenitz liege näher an Brieselang als an Nauen, sagt er. Frank Schwabe, Vater einer betroffenen Schülerin aus Wansdorf, findet, "dass es nicht sein kann, dass das Schulwahlrecht der Eltern von der bestehenden Buslinie abhängt."

Bürgermeister Garn sagte gestern, dass man eine einvernehmliche Lösung mit dem Kreis anstrebe. "Die Gemeinde würde sich schon daran beteiligen, aber der Kreis kann sich nicht ganz aus seiner Verpflichtung zurückziehen", formulierte er.

Da es woanders im Havelland ähnliche Fälle gibt, hat der Landrat das heiße Thema Schülertransport auf die Tagesordnung der Bürgermeisterkonferenz am 13. September gesetzt. "Wir wollen eine kreiseinheitliche Lösung schaffen", so Schröder gegenüber der MAZ. Dabei soll über alles debattiert werden, über den Einsatz kreislicher Zuschüsse im Schülerverkehr ebenso wie über die Definition von "nächstgelegener Schule".

 

 
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