MAZ, 2008-02-13
Leserbrief zum Kommentar von Stefan Kuschel „Auf ein Wort“, MAZ, 4. Februar 2008
In der Haltung Brieselangs zum Entwurf des Landesentwicklungsplans Berlin-Brandenburg (LEP) meint Stefan Kuschel „naiven Neid“ zu erkennen. Des Autors Argumente zeigen, dass er die begründete Position Brieselangs nicht zur Kenntnis nehmen will.
Um es vorweg zu sagen: Ich gönne der Stadt Falkensee jeden Euro Förderung. Es ist weder im Interesse Brieselangs noch einer anderen Kommune, wenn die größte Siedlungsgemeinde des Kreises unzureichend ausgestattet wird. Es geht aber gar nicht um ein Wegnehmen, denn bislang bekommt Falkensee ja noch nichts.
Gleichwohl ist es aus Sicht der Nachbargemeinden legitim, ihre tragenden Argumente zu dem Entwurf des Landesentwicklungsplans Berlin-Brandenburg (LEP) vorzutragen. Wir meinen, Falkensee erfüllt nicht die Aufgaben, die eine besondere Rolle rechtfertigten, und wird diese Aufgaben auch künftig nicht allein erfüllen müssen. Daher unsere Kritik am LEP. Diese Kritik halten wir für begründet. Die Gemeindevertretung hat den Bürgermeister einstimmig beauftragt, diese Kritik als Stellungnahme zum LEP abzugeben. Deshalb Einspruch, Herr Kuschel!
Zentrale Bedeutung im LEP-Entwurf nimmt das System „Zentraler Orte“ ein. In den Mittelzentren - als ein solches ist die Stadt Falkensee vorgesehen - sollen die gehobene Daseinsvorsorge mit regionaler Bedeutung konzentriert werden. Für Brieselang ist diese zentrale Funktion Falkensees nicht zu erkennen. Brieselang hat seit der Wende überwiegend eigene Strukturen entwickelt, die die Funktionen eines Mittelzentrums zum großen Teil selbst erfüllen.
Den Erfordernissen der Daseinsvorsorge wird in Brieselang durch ein vielfältiges Angebot entsprochen. Dies gilt für den Einzelhandel, den Wohnungsmarkt, Dienstleistungen einschließlich Gesundheitsvorsorge sowie den Bildungsbereich bis hin zur Kinder- und Jugendbetreuung. Zusammen mit der Gemeinde Wustermark ist Brieselang ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Allein in Brieselang bestehen etwa 800 Gewerbebetriebe und etwa 3.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das GVZ Berlin-West und zwei weitere großflächige Gewerbegebiete liegen teilweise günstig an Schienen- und Wasseranbindung. Besonders hervorzuheben ist, dass Brieselang neben Logistikfirmen auch produzierenden Unternehmen z. B. in der Automobilindustrie als Standort dient.
Für die Auspendler der Gemeinde hat nicht Falkensee, sondern Berlin und sein Wirtschaftsraum als Gesamtes besondere Bedeutung.
Die Siedlungsfunktion erfüllt Brieselang ebenfalls selbst. Eine tragende Bedeutung Falkensees für das Kultur- und Freizeitangebot Brieselangs existiert nicht. Etwa 60 Vereine und Organisationen gestalten in der Gemeinde Brieselang dieses Feld. Auch wird der Sporthallenbedarf weitestgehend durch zwei eigene Sporthallen abgedeckt. Es besteht nur eine geringe Inanspruchnahme von Einrichtungen der Stadt Falkensee durch Brieselanger Bürger. Zumal nicht die Freizeitangebote wie z. B. Schwimmhalle etc. bestehen, die in der Definition eines Mittelzentrums erwähnt sind. Es ist im Gegenteil so, dass in den Sommermonaten der Nymphensee in Brieselang überörtlich als Badesee für alle umliegenden Gemeinden einschließlich der Städte Falkensee und Berlin Anziehungskraft entwickelt. Erwähnt sei an dieser Stelle auch die Freie Brandenburger Künstlerakademie die überregionale Bedeutung nicht nur in Berlin und Brandenburg besitzt.
Bleiben die Gymnasien in Falkensee, die tatsächlich Schüler aus Brieselang besuchen. Dafür zahlt Brieselang in der differenzierten Kreisumlage anteilig Betriebskosten für die in Falkensee beschulten Kinder.
Ein Mittelzentrum Falkensee ohne die übrige Struktur des Osthavellandes steht auf tönernen Füßen.
Peter Deblon, Vorsitzender der CDU Brieselang
Mitglied der Gemeindevertretung Brieselang