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Überraschte Bürgermeister


Aus der MAZ vom 27.02.2008

Bahnpläne zur Sperrung der Strecke Berlin-Hamburg sorgen für Aufregung

Von Anke Fiebranz, Jens Wegener und Hiltrud Müller

HAVELLAND. Drei Monate lang soll die Hamburger Bahn im Frühjahr 2009 gesperrt sein. Die Nachricht schlug wie eine Bombe in die Rathäuser des Havellandes ein. Und die Kritik der Bürgermeister aus Nauen, Friesack, Brieselang und aus der Kreisverwaltung war einstimmig: Die Bahn hat darüber bisher nicht informiert. Auch Falkensees Rathauschef Heiko Müller zeigte sich verblüfft über die unselige Botschaft. Doch er gab sich gestern optimistisch: „Ich hege die feste Hoffnung, dass nur ein Gleis gesperrt wird und daher der Regionalverkehr von den Bauarbeiten unberührt bleibt.“

Insgesamt ist in den Kommunen die Aufregung über die Art und Weise der Information groß: „Ich habe von der Sperrung erst aus den Medien erfahren“, sagte Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann. „Diese Verfahrensweise ist ein Unding“, schimpfte Brieselangs Rathauschef Wilhelm Garn.

Die Fakten jedoch bleiben unumstößlich, wie die Pressestelle der Bahn bestätigte: Auf der 290 Kilometer langen Schnellstrecke Berlin-Hamburg bröckeln die Schwellen. Sie waren in den 90er-Jahren verlegt worden. Die Herstellerfirma aus Mecklenburg-Vorpommern hatte offenbar Sand verwendet, der sich nicht mit anderen Bestandteilen des Betons verträgt. Kein akutes Sicherheitsrisiko, dennoch müssen die Schwellen ausgetauscht werden. Das soll von März bis Juni 2009 geschehen, auf insgesamt vier Abschnitten von Berlin bis Hamburg.

Die Kunden im Regionalbahnverkehr werden in dieser Zeit wohl massiv betroffen sein. Während die ICEs während der Bauarbeiten über Stendal und Uelzen umgeleitet werden, soll während der Komplettsperrung keine Regionalbahn fahren. „Pauschal kann man sagen, dass wir den Nahverkehr durch Ersatzverkehr kompensieren müssen“, hieß es gestern aus der Bahnpressestelle in Berlin. Ein Sprecher warb um Verständnis dafür, dass noch nichts Konkreteres gesagt werden könne. „Aber wir haben jetzt Februar 2008 und noch nicht März 2009“, hieß es. Ende des Sommers, Anfang Herbst werde man Genaueres wissen und die Fahrgäste informieren.

Diese Zeitschiene entspricht nicht den Erwartungen der Betroffenen. „Wir gehen davon aus, dass die Bahn bis Ende April genau bekannt gibt, welche Regionalzüge im nächsten Frühjahr fahren sollen und welche nicht. Denn für den Fahrplan ab Dezember 2008 muss jetzt der Bedarf angemeldet werden, so Brigitta Köttel, Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

Brieselangs Bürgermeister Garn hatte sogar gehört, dass sich die Kommunen allein um den Schienenersatzverkehr kümmern sollen. Die Bahn bestätigte das nicht. Das Thema Sperrung wird übers Jahr wohl weiter für viel Aufregung im Havelland sorgen. „Insgesamt sind etwa 10 000 Havelländer auf der Strecke von Friesack über Nauen, Brieselang, Falkensee nach Berlin unterwegs, wobei die Masse in Brieselang und Falkensee einsteigt“, nannte VBB-Sprecherin Köttel aktuelle Zahlen.

Ein Bahnsprecher sagte gestern, dass die Kommunen bis Anfang März offiziell über die Sperrung unterrichtet werden. Unabhängig davon hat die Kreisverwaltung sich selbst um einen Termin bei der Bahn bemüht. Dabei soll es auch um den Schienenersatzverkehr gehen, so Sprecherin Anett Kleinke. Auch Falkensees Bürgermeister Heiko Müller kündigte an: „Wir werden diese Thematik mit den Verantwortlichen diskutieren.“ Das Argument von den rissigen Betonschwellen infolge einer Sandunverträglichkeit indes scheint ihn fast zu belustigen. „Das ist nun wirklich nichts Neues, das wurde auch in der DDR oft bemüht“, sagte Müller.

 

 
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