Aus der MAZ, 2008-06-02
Brieselanger Kinder ließen ihrer Phantasie am Bahnhof freien Lauf
Von Petra Stroh
BRIESELANG. „Nur heute!“ stand auf dem Asphalt zu lesen. Mit weißer Kreide auf den nördlichen Vorplatz des Brieselanger Bahnhofs geschrieben. „Ordnungspolitisch hundertprozentig geregelt! Die Aktion ist genehmigt“, versicherte Bürgermeister Wilhelm Garn vorneweg. Der Brieselanger Kreidestreit schwelt weiter, besonders in diesem Moment über dem von der brennenden Sonne ohnehin stark erhitzten Bahnhofsvorplatz.
Am Sonnabend, am Tag vor dem Internationalen Kindertag, hatte die Brieselanger CDU ab 11 Uhr vormittags zu einem Kreide-Malwettbewerb eingeladen. „Hier ist viel Platz für die Kinder, um ihren Ideen freien Lauf zu lassen“, erklärte Peter Abel, im CDU-Vorstand für die Kultur zuständig. Und darum ging es bei dieser Aktion: Ein Zeichen setzen für mehr Kinderfreundlichkeit in Brieselang, so Wilhelm Garn. Mit Kreide auf das Trottoir zu malen gehöre doch zu einem Kinderleben dazu, so CDU-Chef Peter Deblon. Am Tisch unter den mit „CDU“ bedruckten Sonnenschirmen hatte niemand Mühe, sich die längst verjährten eigenen künstlerischen Versuche mit Kreide auf Bürgersteigen oder Straßen noch einmal in Erinnerung zu rufen.
Das fiel beim Anblick der jungen Künstler nicht schwer. Selbstbewusst war der sechsjährige Eric Lehmann zum Wettbewerb mit eigener Kreide erschienen. Er habe sich darauf eben gründlich vorbereitet, bestätigte seine Großmutter. Von den Juroren Wilhelm Garn, Susanne Müller und CDU-Mitglied Daniela Strümpler erhielt Eric den ersten Preis und damit Karten für einen Besuch im „Legoland Discovery Center“ in Berlin.
Elf Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren legten auf dem Bahnhofsvorplatz große Bilder an. Darunter auch die ebenfalls sechs Jahre alte Samira Latocha. Wie ihre Mitbewerber ging sie beherzt und mit Plan ans Werk. „Ich male gern“, bekannten die Kreidekünstler unabhängig voneinander. Weil sie noch Platz übrig hatte, fügte Samira ihrer Komposition aus Blumen, Sonne und kleiner Fee eine weitere großformatige Fee hinzu und belegte den zweiten Platz. Mit der Aussicht, demnächst im Technikmuseum in Berlin neue Inspirationen sammeln zu können, radelte sie mit Großmutter und Bruder nach Hause. Die vergänglichen, da witterungsabhängigen Kreidekunstwerke hat Ralf Kothe mit dem Fotoapparat dokumentiert. Sie sind demnächst im Internet zu bewundern.
Der Kreide-Malwettbewerb im Mai soll Tradition in Brieselang werden. Das kündigte Peter Deblon an, auch wenn das Malen mit Kreide auf Brieselanger Asphalt nach der umstrittenen Steilvorlage vom Bürger Heinz Hertzberg beinahe ein Politikum, zumindest aber Stadtgespräch ist und vermutlich auch bleibt. Viele Passanten auf dem Weg zum Zug wurden Zeuge der Aktion auf dem Bahnhofsvorplatz. Darunter auch viele Familien mit Kindern.