Vorsitzender des Gemeindeverbandes Brieselang der CDU Deutschland
Aus dem Brieselanger Kurier, April 2004
Lebensabriss
Am 26. Mai – also als Zwilling – kam ich 1938 in Berlin auf die Welt und habe die Kriegs- und Nachkriegsjahre dank meiner Eltern gut überstanden.
Nach der Schule, einer Lehre und einem Studium der Elektrotechnik stieg ich in das Berufsleben ein. Meine Berufswahl und die Ausrichtung – Elektrotechnik im Steinkohlebergbau – waren technisch sehr anspruchsvoll, forderten mich und brachten mir viele Reisen und Kontakte bis nach Fernost ein.
Nebenberuflich war ich in der Weiterbildung unseres Unternehmens, in der Meisterausbildung der IHK und schließlich als Lehrbeauftragter an der Technischen Fachhochschule in Berlin tätig.
Meine vieljährige Tätigkeit in Prüfungsausschüssen der IHK, meine Vorstandstätigkeit in einem Segelverein u.a.m. sorgten für eine geregelte Freizeit. Und schließlich gaben mir die Familie, Ehefrau und Tochter (heute 36 Jahre alt) und die zwei Enkelkinder, insgesamt Spaß, Freude und gelegentlich Stress.
1. Seit wann leben Sie in Brieselang und wie sind Sie hierher gekommen?
Wir, meine Frau und ich, sind im April 1996 nach Brieselang gezogen. Auf Brieselang sind wir auf Grund einer Annonce im Spandauer Anzeiger gekommen. Wir lebten in Berlin schon immer im Norden, zuerst in Charlottenburg und dann in Haselhorst. Nach der Wende wollten wir aus Berlin weg, nicht wegen der Stadt, sondern wegen des Lärms und des Gestanks. Wir wollten mehr Ruhe.
Wir suchten im Süden, wir suchten im Westen. Und schließlich fanden wir Brieselang, und das war auch gut so.
2. Was gefällt Ihnen an diesem Ort?
Mir gefällt an diesem Ort die Natur. Wir erreichen von unserem Haus nach einem Weg von 5 Minuten den Havel-Kanal und sehen das Wasser. Nach etwa der gleichen Zeit sind wir im Wald oder auf dem Feld. Wenn wir bei offenem Fenster morgens aufwachen, hören wir die Vögel zwitschern. Und wenn der Frühling kommt, können wir aus dem Fenster oder von der Terrasse die Blumen wachsen sehen.
Und für mich beginnt wieder der Kampf - natürlich umweltverträglich - gegen die Wühlmäuse und Maulwürfe.
3. Was missfällt Ihnen an diesem Ort?
Hierzu fällt mir nichts Neues ein.
 | Miserable Straßen,
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 | schlechte Beleuchtung,
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 | unglückliche Trennung zwischen Nord- und Süd-Brieselang, durch die sich die Menschen in Brieselang hoffentlich nicht trennen lassen. |
4. Sie hätten drei Wünsche frei, um etwas für den Ort zu bewegen:
Diese Frage wurde schon oft gestellt. Mir fallen nur folgende Wünsche ein:
Unser Bürgermeister und die Gemeindevertreter sollten einen oder mehrere Lottoscheine abgeben, mit der Absicht, den größten Jackpot zu knacken. Der Gewinn wird dann der neuen Großgemeinde zur Entschuldung zur Verfügung gestellt.
Der nächste Wunsch ist ernsthafter.
Ich wünsche mir, dass die Eltern, die Jugendlichen und Kinder in unserem Ort endlich lernen, was es bedeutet, sich auf dem Fahrrad ohne Licht abends durch den Ort zu bewegen. Für mich ist dies nicht cool, sondern leichtsinnig und das Verhalten der Eltern unverantwortlich.
Ich hoffe, dass hierdurch nie ein Unfall mit Personenschaden geschieht. Dies kann sich sicher niemand verzeihen.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch mehr Wünsche, aber damit könnte ich Seiten füllen.
5. Auf welche nie gestellte Frage würden Sie gern einmal antworten?
Warum gibt es in unserem Ort so wenig Eigeninitiativen – ich meine hiermit nicht die Versuche Strassen zu bauen? Es gibt auch andere, einfachere Betätigungsfelder um unsere Orte zu verschönern.
Oder liege ich hier falsch?
Abraham Lincoln sagte einst: „Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“ Anders gesagt, wir wollen erreichen, dass jeder seine Fähigkeiten nicht nur für sich, sondern auch für das Gemeinwesen einsetzt. Nur so kommen wir aus dem Dilemma heraus.
6. Was wollen sie als CDU-Vorsitzender erreichen?
Wir wissen alle, dass es um Brieselang schlecht, beschissen schlecht steht. Das ist meine Sprache als geborener Berliner. Wir wollen zusammen den eingeschlagenen erfolgreichen Weg weiter verfolgen und mit unserem Bürgermeister und den Gemeindevertretern dazu beitragen, die Gemeinde aus dem Schlamassel herauszuziehen. Das kann ich nicht allein, sondern das wollen und das müssen wir doch alle gemeinsam erreichen.
7. Wo wird sich die CDU künftig positionieren?
Wir haben eine gute Position und müssen uns nicht umpositionieren. Vielmehr wollen wir diese Position mit den erreichten politischen Mitwirkungsmöglichkeiten ausbauen. Der Gemeindeverband hat einen CDU-Bürgermeister. Die CDU stellt den Vorsitzenden der Gemeindevertretung. Vor uns liegt die Aufgabe der finanziellen Probleme, die aus den Entscheidungen der Vergangenheit herrühren.
Wir wollen frei von der politischen Tagesarbeit gemeinsam mit unseren Gemeindevertretern, die in unserem Wahlprogramm verkündeten Themen angehen. Hierzu gehören die Verbesserung der Infrastruktur, Gespräche mit der Jugend, Seniorenarbeit, Aufforderung zum Ehrenamt, Sponsoring, Entwicklung von mehr Eigeninitiativen, Verbesserung der Verkehrsanbindung u.v.m.. Es gibt viel zu tun.
Und schließlich liegt vor uns die Landtagswahl. Wir wollen den CDU-Kandidaten – Michael Koch aus Brieselang - zum Erfolg verhelfen. Als Senior sehe ich in ihm einen jungen, Erfolg versprechenden Bewerber, der viel für uns erreichen kann. Für die Landtagswahl haben wir uns für Brieselang das Ziel 40 + % gesetzt.
Und wir wollen für unsere Orte, d.h. für uns alle das Beste erreichen.
8. Was bleibt Ihnen von der nach dem Ruhestand erhofften Freizeit?
Als ich in den Ruhestand ging, hatte ich die Vorstellung, mich vor allem meinen Hobbys zu widmen. Dies sind im Sommer das Segeln, d.h. Fahrten mit unserem Schiff nach Dänemark, Schweden und Norwegen. Hierfür braucht man Zeit und Muße. Daneben wollten wir uns die Länder ansehen, die wir noch nicht kennen, und davon gibt es eine ganze Menge.
Darüber hinaus gibt es das Haus und den Garten. Auch hier gibt es immer einiges zu tun.
Im Winter wollte ich mich der Bearbeitung der Videoaufnahmen unserer Reisen widmen, diese bearbeiten und das Gesehene verarbeiten. Ich glaube aber, dass trotz der jetzt übernommenen Aufgabe in der CDU noch genug Zeit bleibt, um diesen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.
Franz Kafka sagte: „Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.“ In diesem Sinne werde ich den von mir eingeschlagenen Weg gehen. Bisher bin ich damit gut gefahren, die Dinge so fortzuführen, wie ich sie begonnen habe.
Wenn man als Segler einen Hafen verlassen hat, soll man nicht wieder zurückkehren, höchstens auf der Rückfahrt.
Das Gespräch führte Dariusz Lerch
Artikel erschienen im Brieselanger Kurier, 23. April 2003
Herausgeber: Communications-Agentur Brieselang Internet Service www.cabis.de
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