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Propeller im Keller
Aus der MAZ vom 3. April 2009
Brieselangs Wilhelm Garn lässt Modelflugzeuge fliegen
Von Werner Schmidt
BRIESELANG. Wilhelm Garn hat in seinem Leben schon einige Bruchlandungen erlebt. Darunter waren politische – wie etwa die Schlappe seiner Brieselanger CDU bei der Wahl im vorigen Herbst – aber vor allem solche mit Flugzeugen. Wenn Wilhelm Garn mal von seiner Büroarbeit abschalten und die Sorgen der Bürger für einen Moment hinter sich lassen will, macht er mit Modellflugzeugen den Brieselanger Luftraum unsicher.
In diesen seltenen Momenten steht Garn mit einem kleinen, schwarzen Kasten in der Hand auf einer Wiese und lässt einmotorige Maschinen über seinem Kopf kreisen. Allein ist er dabei nie: „Ich bin nicht so der routinierte Flieger“, räumt er ein. Deshalb holt er sich zu solchen Anlässen immer einen erfahrenen Freund dazu. „Safety first“ – zuerst kommt die Sicherheit. Das ist auch bei den Modellfliegern oberstes Gebot.
Bruchlandungen lassen sich aber nie ausschließen. Eins von Garns Modellen erlitt bei einem Absturz schon Totalschaden. Andere setzten auf den häufig unebenen Landepisten hart auf und holten sich Achsbrüche oder Dellen. Solche Betriebsschäden werden anschließend in der Werkstatt im Keller des Garnschen Hauses wieder ausgebügelt.
Garns Werkzeugdomizil ist gut sortiert und aufgeräumt. Schrauben und Nägel sind sauber nach Größe geordnet, im Vorraum lagern Weinflaschen und dazwischen parken zwei Maschinen mit Spannweiten von bis zu 1,80 Meter. Die größere der beiden, die „Superstrato 60“, baut Garn derzeit auf: „Die soll dieses Jahr auf Jungfernflug gehen“, sagt er. Wobei es da Terminschwierigkeiten geben könnte. 2008 kam der Bürgermeister aus Zeitgründen überhaupt nicht dazu, eines seiner Modelle zu starten.
Garn gehört keinem Verein an, hat also auch keinen festen Startplatz. Den muss er sich jedes Mal suchen. Aber das Fliegen ist für ihn auch nur eine schöne Nebensache: „Das Aufregendste ist das Bauen“, sagt er und spielt dabei mit einem ausgedienten Minimotor. Oft sitzt er stundenlang und knobelt an einer Lösung für ein Konstruktionsproblem. „Es funktioniert ja nichts so, wie man sich das am Anfang vorstellt“, sagt er. Aber er hat früher Luft- und Raumfahrttechnik studiert, da kommen ihm solche Herausforderungen nur recht. Schon seit Beginn der 70er-Jahre geht Garn in die Luft. Damals, mit 17, holte er sich nicht nur sein erstes Dandy-Segelflugmodell, das er vom Teufelsberg in Berlin gleiten ließ – er flog sogar selbst. Der Aufwand war allerdings immens, denn als Westberliner musste er immer ins Bundesgebiet. Das Fliegen war in Berlin nur den Alliierten gestattet. Garn machte seinen Flugschein deshalb am Hornberg bei Schwäbisch-Gmünd in Baden-Württemberg. Noch heute schwärmt er von seinem Fluglehrer, der ihm nicht nur Tricks beibrachte, sondern auch – rückblickend betrachtet – nicht ganz ungefährlichen Unsinn mit seinem Schüler anstellte. Gemeinsam mit dem Ausbilder stellte Garn in der eher tumben „Rhönlerche“ einen Höhenrekord von 1300 Meter auf. Dem Fluglehrer hätte das fast die Lizenz gekostet und er, Garn, bekam einen mächtigen Rüffel: „Aber fliegen konnte der.“
Das Dandy-Segelfliegermodell von damals liegt heute immer noch in Garns Keller. Daneben ruht ein kleineres rotes Flugzeug: „Ein frühes Fesselflugmodell“, sagt er. Der „Pilot“ hielt es an einem Seil, weshalb es nur im Kreis fliegen konnte. Auch den dazugehörigen Motor, ein Winzling mit noch weniger als einem Kubikzentimeter Hubraum, hat er noch: „Ich kann nichts wegschmeißen“, gibt Garn zu. Es hängen ja auch viele Erinnerungen an diesen Dingen.
Das Segelfliegen gab Garn mit 20 wieder auf, der Weg durch die DDR war auf Dauer zu weit. „Dann kam das Studium dazu, da hatte man ohnehin andere Dinge im Kopf“, sagt er. Vergessen hat er das Fliegen aber nie. Als er nach Brieselang zog, in das neue Haus, mit dem schönen Bastelkeller – da packte ihn wieder die Lust. Und wenn man einmal angefangen hat, kann man nur schwer wieder aufhören. Denn die nächste Bruchlandung kommt bestimmt.
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