Aus der MAZ vom 12. Juni 2004
Nicht alle sind voll zufrieden
ANKE FIEBRANZ
BRIESELANG. Aufatmen, aber kein Zurücklehnen. So kann man vielleicht die Haltung der meisten Hauptausschuss-Mitglieder in Brieselang nach der Haushaltsdiskussion 2004 am Donnerstag beschreiben. Hatte der erste Entwurf im vergangenen Dezember noch ein Defizit von mehr als einer Million Euro ausgewiesen, lag nun ein ausgeglichener Finanzplan vor - letztlich erarbeitet von Verwaltung und Haushaltssicherungskommission. "Ausgeglichen ist der Haushalt, aber er beinhaltet auch alle Risiken für dieses Jahr", so Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU). So habe man vorsorglich einen "sechsstelligen Betrag" eingearbeitet, der sich eventuell als Belastung aus den Gemeindebürgschaften für die insolventen Unternehmen Kommunale Entwicklungsgesellschaft und Brieselanger Bodenverwertungsgesellschaft ergeben könnte.
Trotz der angespannten Lage werde 2004 investiert; den Straßenbau in der Fichtestraße, die Planung für den Bahnhofsvorplatz Nord, die Sanierung der Sporthalle von Robinsongrund- und Gesamtschule sowie 30 000 Euro zur Unterstützung von Anliegerstraßenbau nannte er als Beispiele. Die Verwaltung selbst habe sich die Kritik am Personalkonzept zu Herzen genommen. Durch vorgezogene Umstrukturierungen könne auf geplante Personalerhöhungen - die Rede war von drei Stellen - verzichtet werden. Das gesparte Geld aus diesem Bereich werde in die Rücklage fließen, genauso wie 283 000 Euro, die nach Hinweis eines Richters nicht als Erlösauskehr an den Kreis gezahlt werden müssten. Somit würde die Rücklage von null - man hatte für dieses Jahr 837 000 Euro zum Haushaltsausgleich genommen - wieder auf ungefähr 330 000 Euro anwachsen.
Nur auf den ersten Blick sehe alles gut aus, befand Christian Achilles, Fraktionsvorsitzender von Bürger für Brieselang (BfB), in der anschließenden Aussprache mit Blick auf die Riesenentnahme aus der Rücklage. Seine Fraktion stellte fünf Anträge, die noch 2004 der Haushaltskonsolidierung dienen sollten und bekam davon letztlich einen durch: Beim Ausscheiden von Mitarbeitern soll in der Verwaltung eine halbjährige Wiederbesetzungssperre verhängt werden.
Auf wenig Gegenliebe stießen dagegen sowohl bei der CDU als auch bei der SPD die BfB-Vorschläge zur Kürzung um jeweils zehn Prozent bei allen Ausgabepositionen im Verwaltungshaushalt und für eine globale Minderausgabe von 100 000 Euro durch sparsame Haushaltsführung. CDU-Fraktions-Chef Michael Koch sah darin keine inhaltlichen Änderungen, sondern "Rasenmähermethode" und ein "Mittel, wenn einem nichts anderes mehr einfällt". Norbert Jütterschenke (SPD) kritisierte, dass die Änderungsanträge erst fünf Minuten vor dem Beschluss vorlagen, "sie hätten in die Haushaltssicherungskommission gehört".
Bei vier Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen empfahlen die Hauptausschuss-Mitglieder mehrheitlich den Etat zur Annahme in der Gemeindevertretung am 16. Juni.
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Artikel erschienen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung / Der Havelländer, Sonnabend, 12. Juni 2004
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