Aus der MAZ vom 15. Juni 2004
Geringe Wahlbeteiligung / Beirat hofft auf Sprechzimmer in Gemeindevertretung
NADINE FABIAN
BRIESELANG. Die Wahlbeteiligung, sie war nicht nur bei der Europawahl miserabel. Schlecht besucht war auch die Abstimmung für den Seniorenbeirat in Brieselang. Von derzeit etwa 2400 Brieselangern, die älter als 55 Jahre sind, votierten lediglich 71 am Sonnabend für das speziell für sie ins Leben gerufene Gremium. Damit liegt die Wahlbeteiligung bei knapp drei Prozent.
"Wir haben uns eine stärkeres Interesse erhofft", sagte Kurt Jakob, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes und Mitorganisator der Wahl. In den Gesprächen, die er in der Vorbereitungszeit mit Brieselangern geführt hatte, sei in ihm bereits das Gefühl gekommen, dass nur wenige für die Wahl mobilisiert werden können. "Politikverdrossenheit", damit erklärt sich Jakob die Schlappe.
Dennoch arbeitet in Brieselang künftig ein Seniorenbeirat. 14 Kandidaten hatten sich für die sieben zu vergebenden Plätze beworben. Jeder Wähler durfte maximal sieben Stimmen abgeben. Die Interessen der Senioren vertreten ab sofort Erwin Wellmitz (46 Stimmen), Meinhard Jagdmann (45), Gisela Hadamik (44), Gisela Albrecht (44), Kurt Jakob (39), Rudolf Iffländer (36) und Wolfgang Tilgner (35).
In den kommenden 14 Tagen wollen die Gewählten ihren Vorsitzenden benennen und über eine Satzung beraten. Sprechzeiten sind angedacht, auch um einen Raum in der Gemeindeverwaltung wollen sich die Vertreter der 55-Plus-Generation bemühen.
Die 72-jährige Gisela Albrecht will nicht mehr meckern, sondern sich für ihre Generation einsetzten, Anliegen und Wünsche an die Gemeindevertreter herantragen.
Gisela Hadamik von der Volkssolidarität ist vor allem an sozialen und kulturellen Themen interessiert. Die 66-Jährige hofft, dazu beitragen zu können, dass die drei Ortsteile zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.
Rudolf Iffländer (72) als parteiloser "Ur-Brieselanger" bot sein bautechnisches und -praktisches Knowhow an.
Meinhard Jagdmann (64) genießt seit 2003 den Ruhestand. "Jetzt habe ich Zeit, mich gesellschaftlich einzubringen", so Jagdmann, der zur Wählergemeinschaft Bürger für Brieselang (BfB) gehört.
CDU-Mann Kurt Jakob (66) betonte den überparteilichen und unpolitischen Charakter des Beirates. Seit 1996 lebt Jakob in Brieselang, Ehrenämter haben ihn stets begleitet. Vor allem das Verhältnis zur Jugend möchte er verbessern, aber auch zu isoliert lebenden Senioren finden.
Der einstige Landwirt Wolfgang Tilgner (74) lebt seit 1981 in Brieselang. Schon vor der Wende engagierte er sich bei der Volkssolidarität.
Erwin Wellmitz aus Bredow wies darauf hin, dass sein Dorf von Ende der 50er bis Mitte der 60er schon einmal in Brieselang eingemeindet war. "Damals war Bredow das fünfte Rad am Wagen", so Wellmitz. Er hofft nun, dass sich dies nicht wiederholt und will sich für die Anerkennung der Ortsteile einsetzen.
Artikel erschienen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung / Der Havelländer, Dienstag, 15. Juni 2004
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